MLM — War­um tre­ten Men­schen die­sem Ver­triebs­sys­tem bei?

MLM — War­um tre­ten Men­schen die­sem Ver­triebs­sys­tem bei?

Tat­säch­lich “tritt” fast nie­mand Mul­ti­le­vel­mar­ke­ting-Sys­te­men bei. Fast alle wer­den rekru­tiert. Sie wer­den gelockt, und der MLM-Köder ist fast unwi­der­steh­lich. Hier sind eini­ge der häu­figs­ten Ver­lo­ckun­gen — Aus­zug aus “What about this one?” 🔗 von PSA/Pyramid Sche­me Alert:

Bedarf an Geld und Ein­kom­men

Immer mehr Men­schen sind arbeits­los oder ver­die­nen nicht genug, ste­hen vor Zwangs­voll­stre­ckun­gen, dro­hen­den Ent­las­sun­gen oder sind hoch ver­schul­det. In die­ser Not­la­ge erschei­nen Mul­ti-Level-Mar­ke­ting-Unter­neh­men (MLMs) als ver­lo­cken­de Lösung, die Ein­kom­men und Wohl­stand ver­spre­chen – ein mäch­ti­ger Köder in Zei­ten gro­ßer Not.

Ganz oft ist auch die Rede vom “Plan B”.

Fal­sche Ver­spre­chen und Behaup­tun­gen

Um den Ein­kom­mens­kö­der attrak­ti­ver zu machen, wer­den oft fal­sche Behaup­tun­gen auf­ge­stellt. Die­se beinhal­ten Ver­spre­chen von leicht ver­dien­tem Geld, einem ste­ti­gen Ein­kom­men, frü­hem Ruhe­stand und Ren­ten­ein­kom­men. Die­se Aus­sa­gen wer­den durch Erfah­rungs­be­rich­te unter­mau­ert, die sug­ge­rie­ren, dass „jeder es schaf­fen kann”.

Wun­der­pro­duk­te

MLM-Pro­mo­ter prei­sen ihre Pro­duk­te oft als Wun­der­mit­tel gegen Krebs, Dia­be­tes, Fett­lei­big­keit oder Arthri­tis usw. an. Sie sagen, die Pro­duk­te „ver­kau­fen sich von selbst“. Ande­re bewer­ben eine „neue Tech­no­lo­gie“, von der sie behaup­ten, dass „jeder sie in sei­nem Zuhau­se haben möch­te“.

Hoff­nung und Träu­me

Pro­mo­ter sagen den neu­en Part­nernn, sie sol­len sich vor­stel­len, viel Geld zu haben, sich vor­zu­stel­len, was sie kau­fen wür­den, wel­che Schul­den sie til­gen wür­den und wel­che Vor­tei­le es für die Fami­lie und Kin­der gäbe. Pro­mo­ter füh­ren die Men­schen in „Traum“-Sitzungen, in denen sie auf­ge­for­dert wer­den, längst ver­ges­se­ne Hoff­nun­gen und Zie­le in Erin­ne­rung zu rufen. Sie brin­gen die Neu­lin­ge dazu zu glau­ben, dass alles mit dem MLM-Sys­tem mög­lich ist. Sie brin­gen die Men­schen dazu zu glau­ben, dass sie sich einer guten Sache anschlie­ßen und dass der Erfolg in einem „Men­schen hel­fen Men­schen Win/Win“-Geschäftsmodell sehr wahr­schein­lich ist.

Oft gesehen/gehört: ich mache das für mei­ne Fami­lie bzw. für mei­ne Kin­der, um ihnen eine gute Zukunft zu ermög­li­chen — wür­dest du das nicht auch wol­len?

Ver­trau­en oder die Unfä­hig­keit “Nein” zu sagen

Die meis­ten Men­schen erhal­ten Ein­la­dun­gen von Per­so­nen, die sie gut ken­nen, schät­zen und denen sie ver­trau­en. Die­se Bezie­hun­gen spie­len eine ent­schei­den­de Rol­le, da sie ein Gefühl der Ver­traut­heit und Sicher­heit ver­mit­teln. Oft­mals füh­len sich Men­schen ver­pflich­tet, sol­chen Ein­la­dun­gen nach­zu­kom­men, weil es ihnen schwer­fällt, Freun­den, Fami­li­en­mit­glie­dern oder Kol­le­gen eine Absa­ge zu ertei­len. Wer kennt sie nicht, die Ein­la­dung zu den berühm­ten Tup­per-Par­ties …

Die­se sozia­len Bin­dun­gen und das Bedürf­nis, die Erwar­tun­gen und Gefüh­le der Ein­la­den­den nicht zu ver­let­zen, füh­ren dazu, dass vie­le Men­schen an Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men, selbst wenn sie viel­leicht lie­ber etwas ande­res tun wür­den. Die Dyna­mik zwi­schen sozia­len Ver­pflich­tun­gen und per­sön­li­chen Wün­schen ist ein kom­ple­xes Zusam­men­spiel, das vie­le Men­schen in ihrem All­tag erle­ben.

Betei­li­gung von Pro­mi­nen­ten — also muss es wahr sein

Berühm­te und ver­trau­ens­wür­di­ge Per­sön­lich­kei­ten sind manch­mal mit den MLMs ver­bun­den oder unter­stüt­zen sie sogar. Poli­ti­ker nut­zen MLM-Men­schen­mas­sen und erwe­cken den Ein­druck einer Unter­stüt­zung; Pro­mi­nen­te kas­sie­ren hohe Gebüh­ren, um bei Tref­fen zu spre­chen oder auf­zu­tre­ten; Autoren ver­kau­fen ihre Bücher bei MLM-Tref­fen und fügen ihre Glaub­wür­dig­keit hin­zu. Sogar berühm­te reli­giö­se Figu­ren bie­ten manch­mal Gebe­te bei Tref­fen an, was eine hei­li­ge Zustim­mung impli­ziert.

Vie­le Men­schen glau­ben auf­grund der Ver­bin­dun­gen mit Pro­mi­nen­ten und Auto­ri­tä­ten, dass die Sys­te­me legi­tim sind.

Schall und Rauch

Wäh­rend die Men­schen auf Freun­de zuge­hen, sich Reich­tum aus­ma­len, Hoff­nun­gen wecken und glau­ben, sie hät­ten eine ech­te Chan­ce, ver­schwei­gen die MLMs die har­ten Fak­ten. Sie ver­schwei­gen die scho­ckie­ren­den Ver­lust­ra­ten 🔗, die hohen Prei­se für ihre Pro­duk­te oder die tat­säch­lich feh­len­de Nach­fra­ge der Ver­brau­cher nach ihnen. Sie ver­schwei­gen die jähr­li­chen Aus­stiegs­quo­ten, das Feh­len von Ein­zel­han­dels­kun­den und die hohen Kos­ten, die mit dem Ver­bleib im Sys­tem ver­bun­den sind.

Es stellt sich her­aus, dass vie­le von Kre­dit­kar­ten leben und einen Lebens­stil nach dem Mot­to “Fake it till you make it” füh­ren. Eini­ge der MLM-Füh­rungs­kräf­te ver­die­nen den Groß­teil ihres Gel­des als Red­ner und Pro­mo­ter und nicht mit dem Ver­kauf von Pro­duk­ten oder Dienst­leis­tun­gen. Dies wird vor den neu­en Part­nern nicht erwähnt, damit sie den­ken, dass die Füh­rungs­kräf­te als Ver­käu­fer für das Unter­neh­men zu Mil­lio­nä­ren wur­den und wür­di­ge Vor­bil­der sind.

“Her­ba­li­fe: Zwi­schen Geschäft und Kon­tro­ver­se – Die wah­ren Kos­ten für Ver­brau­cher”

Der Doku­men­tar­film “Bet­ting on Zero” 🔗 beleuch­tet Bill Ack­mans Vor­wür­fe gegen Her­ba­li­fe, das Unter­neh­men sei ein Pyra­mi­den­sche­ma. Ack­man, der durch einen mil­li­ar­den­schwe­ren Leer­ver­kauf auf den Nie­der­gang von Her­ba­li­fe setz­te, wird in sei­ner Kam­pa­gne gegen das Unter­neh­men por­trä­tiert.

Der Film gip­felt in der Ankla­ge der Fede­ral Trade Com­mis­si­on (FTC) gegen Her­ba­li­fe wegen betrü­ge­ri­scher Geschäfts­me­tho­den. Her­ba­li­fe wil­lig­te ein, 200 Mil­lio­nen US-Dol­lar zu zah­len und sei­ne Prak­ti­ken zu refor­mie­ren. Obgleich Ack­mans Spe­ku­la­ti­on nicht zum Kol­laps von Her­ba­li­fe führ­te, hat der Fall eine bedeu­ten­de Debat­te über die Struk­tu­ren von Mul­ti-Level-Mar­ke­ting-Fir­men ange­sto­ßen.

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Mehr Infor­ma­tio­nen
MLM — Warn­si­gna­le (red flags)

MLM — Warn­si­gna­le (red flags)

Wie kann man ein betrü­ge­ri­sches MLM-Sys­tem erken­nen, bei 99% der Teil­neh­mer Geld ver­lie­ren, im Ver­gleich zu einem ech­ten Direkt­ver­trieb, bei dem man durch den Ver­kauf von Pro­duk­ten Geld ver­dient?

Dr. Jon Tay­lor, ein Direk­tor von Pyra­mid Sche­me Alert 🔗, hat fünf cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le oder soge­nann­te “Red Flags” iden­ti­fi­ziert, die auf ein betrü­ge­ri­sches MLM-Sys­tem hin­wei­sen.

Unbe­grenz­tes Rekru­tie­ren

In einem betrü­ge­ri­schen MLM-Sys­tem kann jeder unbe­grenzt neue Mit­glie­der anwer­ben. Das Pro­blem dabei ist, dass je mehr Leu­te mit­ma­chen, des­to schwie­ri­ger wird es für neue Mit­glie­der, tat­säch­lich Geld zu ver­die­nen. Das liegt dar­an, dass die Anzahl der Men­schen, die man anwer­ben kann, irgend­wann erschöpft ist, und die Chan­cen, erfolg­reich zu sein, sin­ken dras­tisch.

Auf­stieg durch Rekru­tie­rung

In sol­chen Sys­te­men steigt man im Rang und ver­dient mehr Geld haupt­säch­lich durch das Anwer­ben neu­er Mit­glie­der. Das bedeu­tet, dass der Fokus nicht auf dem Ver­kauf von Pro­duk­ten liegt, son­dern dar­auf, immer mehr Leu­te ins Sys­tem zu holen. Nur wer vie­le neue Mit­glie­der anwirbt, kann wirk­lich viel ver­die­nen, wäh­rend die­je­ni­gen, die sich auf den Pro­dukt­ver­kauf kon­zen­trie­ren, oft leer aus­ge­hen.

Tat­säch­lich tre­ten die meis­ten Men­schen einem MLM nicht ein­fach so eigen­stän­dig bei — sie wer­den viel­mehr “rekru­tiert” 🔗.

Pay-to-Play

Neue Mit­glie­der müs­sen oft gro­ße Men­gen an Pro­duk­ten kau­fen, um über­haupt mit­ma­chen zu kön­nen. Außer­dem wer­den sie ermu­tigt, sich für auto­ma­ti­sche, regel­mä­ßi­ge Pro­dukt­käu­fe (auto­ship) anzu­mel­den. Die­se Käu­fe sind oft teu­er, und vie­le Mit­glie­der ver­die­nen nicht genug, um die­se Kos­ten zu decken. Das führt dazu, dass sie mehr Geld aus­ge­ben, als sie ein­neh­men.

Pro­vi­sio­nen an vie­le Ebe­nen

In einem betrü­ge­ri­schen MLM-Sys­tem wer­den Pro­vi­sio­nen an vie­le Ebe­nen von Mit­glie­dern gezahlt, oft mehr als fünf. Das bedeu­tet, dass die Leu­te an der Spit­ze der Pyra­mi­de viel Geld ver­die­nen, wäh­rend die meis­ten ande­ren, die wei­ter unten ste­hen, kaum etwas bekom­men. Die­se Struk­tur sorgt dafür, dass die Gewin­ne ungleich ver­teilt sind und haupt­säch­lich den­je­ni­gen zugu­te­kom­men, die früh ein­ge­stie­gen sind.

Unge­rech­te Aus­zah­lung

In sol­chen Sys­te­men bekom­men die Leu­te, die Pro­duk­te ver­kau­fen, oft die glei­che oder sogar eine gerin­ge­re Aus­zah­lung als die Leu­te über ihnen, die nichts mit dem Ver­kauf zu tun hat­ten. Das bedeu­tet, dass das Sys­tem die­je­ni­gen belohnt, die neue Mit­glie­der anwer­ben, anstatt die­je­ni­gen, die tat­säch­lich Pro­duk­te ver­kau­fen. Dies führt dazu, dass der Fokus auf der Rekru­tie­rung liegt und nicht auf dem eigent­li­chen Geschäft.

Obwohl kei­nes die­ser “red flags” für sich allein ein Merk­mal für ein Pyra­mi­den­sys­tem dar­stellt, schaf­fen sie zusam­men genom­men einen enor­men Hebel. Die­je­ni­gen an der Spit­ze berei­chern sich auf Kos­ten einer rie­si­gen Down­line von ahnungs­lo­sen Opfern. Die­se Merk­ma­le defi­nie­ren ein Pyra­mi­den­sche­ma, das als “Direkt­ver­triebs­un­ter­neh­men” getarnt ist.

Drei wei­te­re Tricks

Tools und Ver­an­stal­tun­gen

Ver­triebs­part­ner wer­den oft auf­ge­for­dert, Bücher, Kas­set­ten (frü­he­re Medi­um — heu­te auch gern ein Pod­cast!) oder ande­re Mate­ria­li­en zu kau­fen oder an teu­ren Schu­lungs­se­mi­na­ren und Moti­va­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen teil­zu­neh­men. Die­je­ni­gen, die neue Mit­glie­der anwer­ben, ver­die­nen oft mehr Geld mit dem Ver­kauf die­ser “Tools” und “Ver­an­stal­tun­gen” als mit dem eigent­li­chen Geschäft. Sie sind also eher im Rekru­tie­rungs- als im Ver­kaufs­ge­schäft tätig.

Es ist auch häu­fig zu beob­ach­ten, dass Ver­triebs­part­ner in höhe­ren Ebe­nen irgend­wann zu Coa­ches 🔗 wer­den und ihr ver­meint­li­ches Wis­sen an ihre Down­line oder poten­zi­el­le Mit­glie­der wei­ter­ge­ben.

“Einzelhandels”-Verkaufsprognosen

Die Ein­kom­mens­pro­gno­sen basie­ren oft auf Ver­käu­fen zu “vol­len Ein­zel­han­dels­prei­sen” für Pro­duk­te, die meist über­teu­ert und nicht wett­be­werbs­fä­hig sind. Fast alle Pro­duk­te wer­den von den Ver­triebs­part­nern selbst gekauft und nicht von ech­ten Ver­brau­chern. Die ange­ge­be­nen Ein­zel­han­dels­prei­se und pro­gnos­ti­zier­ten Gewin­ne sind daher oft irre­füh­rend.

Es gibt eine soge­nann­te 70%-Regel, die besagt, dass min­des­tens 70% der ver­kauf­ten Waren von End­kun­den und nicht von Ver­triebs­part­nern gekauft wer­den müs­sen, um kein ille­ga­les Pyra­mi­den­sys­tem zu sein. Die­se Regel ist jedoch gesetz­lich nicht ver­an­kert, und MLM-Unter­neh­men legen die­se Zah­len sel­ten frei­wil­lig offen.

“Karriere”-Wege

Ver­triebs­part­ner wer­den oft gebe­ten, zwi­schen zwei “Kar­rie­re-Wegen” zu wäh­len – einer für die­je­ni­gen, die die Pro­duk­te ver­kau­fen wol­len, und einer für die­je­ni­gen, die neue Mit­glie­der anwer­ben wol­len. In der Pra­xis wird jedoch meist der Weg der Rekru­tie­rung bevor­zugt und geför­dert, da hier die grö­ße­ren Gewin­ne lie­gen.

Fazit

Betrü­ge­ri­sche MLM-Sys­te­me unter­schei­den sich fun­da­men­tal vom ech­ten Direkt­ver­trieb, da sie stark auf die Rekru­tie­rung neu­er Mit­glie­der set­zen, anstatt auf den tat­säch­li­chen Pro­dukt­ver­kauf. Dies führt dazu, dass Gewin­ne ungleich ver­teilt sind und haupt­säch­lich denen zugu­te­kom­men, die sich früh anschlie­ßen und an der Spit­ze ste­hen. Neue Mit­glie­der müs­sen oft hohe Kos­ten für Pro­duk­te oder Schu­lungs­ma­te­ria­li­en tra­gen, was sie finan­zi­ell belas­tet, ohne Aus­sicht auf einen fai­ren Aus­gleich. Der Fokus liegt meist auf irre­füh­ren­den Ver­spre­chen und Struk­tu­ren, die dar­auf abzie­len, die unte­ren Ebe­nen zu berei­chern, anstatt ein nach­hal­ti­ges Geschäfts­mo­dell zu för­dern.

Im Gegen­satz dazu zeich­net sich ech­ter Direkt­ver­trieb durch trans­pa­ren­te Ein­kom­mens­mög­lich­kei­ten aus, die auf dem tat­säch­li­chen Ver­kauf an End­kun­den basie­ren und nicht auf Rekru­tie­rung oder zusätz­li­chen Zah­lun­gen. So ent­steht eine ehr­li­che­re und sta­bi­le­re Grund­la­ge für Ver­triebs­part­ner.

Link­samm­lung — Quel­len — Must-Reads

Pyra­mi­de Sche­me Alert (EN)

Net­work-Mar­ke­ting: Geschich­te & Ein­lei­tung

Net­work-Mar­ke­ting: Geschich­te & Ein­lei­tung

Mul­ti-Level-Mar­ke­ting (MLM), auch als Struk­tur­ver­trieb, Net­work-Mar­ke­ting oder Pyra­mi­den­sys­tem bekannt, ist eine Ver­triebs­stra­te­gie, die seit ihrer Ent­ste­hung die Gemü­ter bewegt und spal­tet. Sie basiert auf einem hier­ar­chi­schen Netz­werk selbst­stän­di­ger Ver­triebs­part­ner, die nicht nur durch den Ver­kauf von Pro­duk­ten, son­dern auch durch das Anwer­ben neu­er Mit­glie­der Pro­vi­sio­nen erzie­len. Die Ent­wick­lungs­ge­schich­te von Mul­ti­le­vel-Mar­ke­ting ist geprägt von Inno­va­tio­nen, Kon­tro­ver­sen und Aus­dau­er und erstreckt sich über mehr als ein Jahr­hun­dert, wäh­rend sie sich in ver­schie­de­nen For­men wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Die­ser Arti­kel zeich­net den Weg des Net­work-Mar­ke­ting von sei­nen Anfän­gen im spä­ten 19. Jahr­hun­dert bis zu sei­ner heu­ti­gen Bedeu­tung im 21. Jahr­hun­dert nach.

Frü­he Anfän­ge (Ende des 19. Jahr­hun­derts bis Anfang des 20. Jahr­hun­derts)

Die Wur­zeln des Mul­ti­le­vel-Mar­ke­ting rei­chen zurück ins spä­te 19. Jahr­hun­dert, als Fir­men began­nen, das Direkt­ver­kaufs­mo­dell zu nut­zen. Ein frü­hes Bei­spiel ist die 1886 ins Leben geru­fe­ne Cali­for­nia Per­fu­me Com­pa­ny, die spä­ter zu Avon Pro­ducts, Inc. wur­de. Bei die­sem Ansatz ver­kauf­ten Ein­zel­per­so­nen Pro­duk­te direkt an ihr sozia­les Umfeld und erhiel­ten dafür Pro­vi­sio­nen.

Die Ent­ste­hung des Mul­ti­le­vel-Mar­ke­ting aka Net­work-Mar­ke­ting (1930er bis 1950er Jah­re)

Die heu­ti­ge Form des Mul­ti-Level-Mar­ke­ting nahm in den 1930er und 1940er Jah­ren Gestalt an. Als Weg­be­rei­ter gilt Nut­ri­li­te, das 1934 von Carl Reh­n­borg ins Leben geru­fen wur­de und Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel über ein Ver­triebs­netz­werk ver­kauf­te, das auch das Anwer­ben neu­er Ver­triebs­part­ner umfass­te. Die­ses Modell leg­te den Grund­stein für die spä­te­re Ver­triebs­struk­tur.

1949 grün­de­ten die ehe­ma­li­gen Nut­ri­li­te-Ver­triebs­part­ner Richard DeVos und Jay Van Andel das MLM-Unter­neh­men Amway. Amway trug maß­geb­lich zur Popu­la­ri­sie­rung des Mul­ti­le­vel-Mar­ke­ting-Modells bei und wur­de zum Sinn­bild für des­sen Erfolgs­po­ten­zi­al. Das Geschäfts­mo­dell von Amway umfass­te den Ver­trieb einer Viel­zahl von Haus­halts­pro­duk­ten durch ein umfang­rei­ches Netz­werk von Ver­triebs­part­nern, wobei der Fokus auf der Rekru­tie­rung lag: Ver­triebs­part­ner ver­dien­ten nicht nur an ihren eige­nen Ver­käu­fen, son­dern auch an denen ihrer ange­wor­be­nen Part­ner.

Die DeVos-Fami­lie ist eine rei­che und ein­fluss­rei­che Fami­lie in den USA. Sie sind bekannt für die Grün­dung und Lei­tung von Amway, einem der gro­ßen Mul­ti-Level-Mar­ke­ting­un­ter­neh­men. Richard DeVos grün­de­te Amway, und sein Sohn Dick DeVos führ­te es wei­ter. Bet­sy DeVos, Dicks Frau, war Bil­dungs­mi­nis­te­rin unter Prä­si­dent Donald Trump. Die Fami­lie unter­stützt vie­le wohl­tä­ti­ge Pro­jek­te und kon­ser­va­ti­ve poli­ti­sche Anlie­gen.

Wachs­tum und Regu­lie­rung (1960er bis 1970er Jah­re)

In den 1960er und 1970er Jah­ren erleb­te die Mul­ti­le­vel-Mar­ke­ting-Bran­che ein rasan­tes Wachs­tum. Fir­men wie Shaklee, Mary Kay und Her­ba­li­fe kamen in die­ser Zeit auf. MLM lock­te vie­le mit der Aus­sicht auf finan­zi­el­len Erfolg durch den Auf­bau eines Ver­triebs­netz­werks. Die­ses Wachs­tum zog aller­dings auch regu­la­to­ri­sche Auf­merk­sam­keit auf sich.

1979 ver­öf­fent­lich­te die US-Han­dels­kom­mis­si­on (FTC) Richt­li­ni­en, um seriö­se MLM-Unter­neh­men von Pyra­mi­den­sys­te­men abzu­gren­zen. Die­se Vor­ga­ben hoben die Bedeu­tung des Pro­dukt­ver­kaufs gegen­über der Rekru­tie­rung her­vor und führ­ten zu einem ver­stärk­ten Augen­merk auf Pro­dukt­qua­li­tät und recht­li­che Kon­for­mi­tät in der Ver­triebs­bran­che.

Her­aus­for­de­run­gen und Kon­tro­ver­sen (1980er bis 1990er Jah­re)

Die 1980er und 1990er Jah­re waren für die MLM-Bran­che von Erfol­gen, aber auch von Kon­tro­ver­sen geprägt. Wäh­rend Fir­men wie Amway wei­ter­hin pro­spe­rier­ten, sahen sich ande­re mit recht­li­chen Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert. Die FTC ging ins­be­son­de­re gegen Unter­neh­men wie Her­ba­li­fe und Amway vor, denen sie vor­warf, als Pyra­mi­den­sys­te­me zu agie­ren. Die dar­aus resul­tie­ren­den Rechts­strei­tig­kei­ten führ­ten zu Ver­glei­chen und Ände­run­gen der Geschäfts­prak­ti­ken in der Bran­che.

In die­ser Zeit kam es zum Phä­no­men der “MLM-Sät­ti­gung”, bei dem der Markt mit Ver­triebs­part­nern über­schwemmt wur­de, was es für Neu­lin­ge zuneh­mend schwie­ri­ger mach­te, signi­fi­kan­te Ein­kom­men zu erzie­len. Kri­ti­ker bemän­gel­ten, dass MLM vor allem den Weni­gen an der Spit­ze zugu­te­kam, wäh­rend die Mehr­heit der Teil­neh­mer nur mini­ma­le Ein­künf­te erziel­te.

Das Inter­net-Zeit­al­ter (2000er Jah­re)

Die Ein­füh­rung des Inter­nets Ende des 20. Jahr­hun­derts und der Auf­schwung des E‑Commerce hat­ten bedeu­ten­de Aus­wir­kun­gen auf Mul­ti-Level-Mar­ke­ting. Unter­neh­men nutz­ten Online-Platt­for­men für Rekru­tie­rung und Ver­kauf und erwei­ter­ten so ihre glo­ba­le Reich­wei­te. Das Inter­net ermög­lich­te es Mul­ti-Level-Mar­ke­ting-Fir­men, ein grö­ße­res Publi­kum anzu­spre­chen und bestimm­te Geschäfts­pro­zes­se wie Bestell­ab­wick­lung und Pro­vi­si­ons­ver­fol­gung zu auto­ma­ti­sie­ren.

Moder­ne Mul­ti­le­vel-Mar­ke­ting-Unter­neh­men (2010er bis heu­te)

In den letz­ten Jah­ren hat sich die MLM-Bran­che wei­ter­ent­wi­ckelt. Fir­men diver­si­fi­zier­ten ihr Pro­dukt­port­fo­lio, das nun Gesund­heits- und Well­ness­pro­duk­te, Kos­me­ti­ka und Tech­no­lo­gie­ar­ti­kel umfasst. Die Bran­che hat auch sozia­le Medi­en und Influen­cer-Mar­ke­ting als Mit­tel zur Rekru­tie­rung und zum Pro­dukt­ver­trieb adap­tiert.

Den­noch bleibt Mul­ti-Level-Mar­ke­ting ein kon­tro­ver­ses Geschäfts­mo­dell. Kri­ti­ker behaup­ten, dass die Mehr­heit der Teil­neh­mer kaum oder kein Ein­kom­men erzielt, wäh­rend eine klei­ne Grup­pe an der Spit­ze über­pro­por­tio­nal pro­fi­tiert. Bedeu­ten­de Rechts­fäl­le, wie die Kla­ge der FTC gegen Her­ba­li­fe im Jahr 2016, haben Pro­ble­me inner­halb der Bran­che beleuch­tet.

Regu­lie­rung und Kon­trol­le

Eini­ge Län­der haben stren­ge­re Regu­lie­run­gen oder sogar Ver­bo­te für Mul­ti-Level-Mar­ke­ting ein­ge­führt, wäh­rend ande­re die Bran­che als legi­ti­me Geschäfts­mög­lich­keit akzep­tie­ren.

Die Regu­lie­rung der Mul­ti-Level-Mar­ke­ting-Bran­che ist wei­ter­hin Gegen­stand von Debat­ten und recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Die FTC (Fede­ral Trade Com­mis­si­on / USA) über­wacht MLM-Unter­neh­men in den USA, um die Ein­hal­tung von Richt­li­ni­en zu gewähr­leis­ten, die den Ein­zel­han­dels­ver­kauf und den legi­ti­men Pro­dukt­ver­trieb gegen­über der Rekru­tie­rung beto­nen.

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on (EC) ist in der EU für die Regu­lie­rung von Mul­ti-Level-Mar­ke­ting zustän­dig und for­dert von den Händ­lern, dass sie einen schrift­li­chen Ver­trag vor­wei­sen, ihre Ein­künf­te trans­pa­rent machen und kei­ne unzu­tref­fen­den oder miss­ver­ständ­li­chen Infor­ma­tio­nen bereit­stel­len. Wäh­rend­des­sen ist Mul­ti-Level-Mar­ke­ting in Chi­na gene­rell unter­sagt, außer für eini­ge lizen­zier­te Fir­men, die sich strikt an die Regeln hal­ten müs­sen.

Han­dels­ver­bän­de

Die Direct Sel­ling Asso­cia­ti­on (DSA) in den USA und die Sel­dia in der EU sind bei­de Orga­ni­sa­tio­nen, die Unter­neh­men ver­tre­ten, die im Direkt­ver­trieb tätig sind. Sie set­zen sich für die Inter­es­sen ihrer Mit­glie­der ein, bie­ten Schu­lun­gen an, för­dern ethi­sche Geschäfts­prak­ti­ken und ver­tre­ten die Bran­che gegen­über poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern.

Aus Ver­brau­cher­sicht kön­nen die­se Orga­ni­sa­tio­nen sowohl posi­tiv als auch nega­tiv gese­hen wer­den. Posi­tiv ist, dass sie ethi­sche Stan­dards för­dern und ihre Mit­glie­der dazu ermu­ti­gen, fai­re Geschäfts­prak­ti­ken zu befol­gen. Sie kön­nen auch dazu bei­tra­gen, Ver­brau­cher vor betrü­ge­ri­schen Prak­ti­ken zu schüt­zen, indem sie Mit­glieds­un­ter­neh­men aus­schlie­ßen, die gegen ihre Ver­hal­tens­ko­di­zes ver­sto­ßen.

Auf der ande­ren Sei­te kann kri­ti­siert wer­den, dass die­se Orga­ni­sa­tio­nen in ers­ter Linie die Inter­es­sen der Unter­neh­men ver­tre­ten, die sie reprä­sen­tie­ren, und nicht unbe­dingt die der Ver­brau­cher. Sie betrei­ben Lob­by­ar­beit, um Geset­ze und Vor­schrif­ten zu beein­flus­sen, die ihren Mit­glie­dern zugu­te­kom­men könn­ten, was nicht immer im bes­ten Inter­es­se der Ver­brau­cher ist. Es besteht auch die Gefahr, dass sie dazu bei­tra­gen, bestimm­te Geschäfts­mo­del­le zu legi­ti­mie­ren, die für Ver­brau­cher nach­tei­lig sein kön­nen, wie zum Bei­spiel Mul­ti-Level-Mar­ke­ting-Sys­te­me, die oft mit unfai­ren und irre­füh­ren­den Prak­ti­ken in Ver­bin­dung gebracht wer­den.

Fazit

Eine Geschäfts­struk­tur, die ursprüng­lich aus dem “Direkt­ver­trieb” ent­stan­den ist, hat sich im Lau­fe der Jah­re gewan­delt — aller­dings nicht immer zum Vor­teil aller Betei­lig­ten. Es ist wich­tig zu beto­nen, dass Mul­ti-Level-Mar­ke­ting nicht mit Direkt­ver­trieb gleich­zu­set­zen ist 🔗, obwohl vie­le Mul­ti-Level-Mar­ke­ting-Unter­neh­men die­sen Begriff zur Beschrei­bung ihrer Tätig­keit ver­wen­den.

Die Geschich­te des Mul­ti-Level-Mar­ke­ting ist eine Chro­nik von Inno­va­tio­nen, Kon­tro­ver­sen und Anpas­sun­gen. Von sei­nen Anfän­gen im spä­ten 19. Jahr­hun­dert bis zu sei­ner heu­ti­gen Aus­prä­gung im 21. Jahr­hun­dert hat Mul­ti-Level-Mar­ke­ting bedeu­ten­de Ver­än­de­run­gen erfah­ren, sowohl in sei­nen Geschäfts­mo­del­len als auch in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung. Es hat für man­che finan­zi­el­le Chan­cen geschaf­fen, wäh­rend ande­re ent­täuscht und skep­tisch geblie­ben sind. Die Dis­kus­si­on über die Legi­ti­mi­tät und Ethik von Mul­ti-Level-Mar­ke­ting dau­ert an und macht es zu einem fort­wäh­rend inter­es­san­ten und über­wach­ten The­ma in der Geschäfts­welt.

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