Die infla­tio­nä­re Benut­zung des Begriffs “trig­gern” und die Fol­gen

Die infla­tio­nä­re Benut­zung des Begriffs “trig­gern” und die Fol­gen

In den letz­ten Jah­ren hat sich ein bemer­kens­wer­ter Trend in unse­rer all­täg­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­wi­ckelt: die Ver­wen­dung von Begrif­fen und Kon­zep­ten aus der Psy­cho­the­ra­pie, auch bekannt als “The­ra­py Speak”. Die­se Ent­wick­lung spie­gelt nicht nur ein wach­sen­des Bewusst­sein für psy­chi­sche Gesund­heit wider, son­dern auch eine Ver­än­de­rung in der Art und Wei­se, wie wir über unse­re Gefüh­le und zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen spre­chen.

Gera­de der Begriff “trig­gern” hat eine bemer­kens­wer­te Ver­brei­tung in der All­tags­spra­che und den sozia­len Medi­en erfah­ren. Ursprüng­lich aus der Psy­cho­lo­gie stam­mend, beschreibt “trig­gern” das Aus­lö­sen von star­ken emo­tio­na­len Reak­tio­nen, oft im Zusam­men­hang mit trau­ma­ti­schen Erleb­nis­sen.

Doch was pas­siert, wenn die­ser Begriff infla­tio­när ver­wen­det wird? Hier sind eini­ge der wich­tigs­ten Fol­gen und Über­le­gun­gen.

Was bedeu­tet “trig­gern” bzw. “getrig­gert wer­den”?

Trig­gern bezieht sich auf das Aus­lö­sen einer star­ken emo­tio­na­len Reak­ti­on durch bestimm­te Rei­ze oder Ereig­nis­se. Die­se Rei­ze, auch “Trig­ger” 🔗  genannt, kön­nen Erin­ne­run­gen an trau­ma­ti­sche Erleb­nis­se her­vor­ru­fen und inten­si­ve Gefüh­le wie Angst, Wut oder Trau­rig­keit aus­lö­sen. Ein Bei­spiel könn­te sein, dass jemand, der einen Auto­un­fall erlebt hat, durch das Geräusch von quiet­schen­den Rei­fen getrig­gert wird. Trig­ger kön­nen sehr indi­vi­du­ell sein und vari­ie­ren stark von Per­son zu Per­son. Das Ver­ständ­nis und die Iden­ti­fi­ka­ti­on von Trig­gern sind wich­ti­ge Schrit­te im Umgang mit emo­tio­na­len Reak­tio­nen und in der psy­chi­schen Gesund­heits­pfle­ge.

Ver­wäs­se­rung der Bedeu­tung des Begriffs “Trig­gern”

Der Begriff “trig­gern” ver­liert an Bedeu­tung, wenn er für jede klei­ne Unan­nehm­lich­keit ver­wen­det wird. In unse­ren sozia­len Medi­en fin­den sich genü­gend Bei­spie­le und jeder hat mit Sicher­heit schon mal einen Satz dazu zu hören bekom­men. Ursprüng­lich soll­te er auf ernst­haf­te psy­chi­sche Reak­tio­nen hin­wei­sen, die durch spe­zi­fi­sche Aus­lö­ser her­vor­ge­ru­fen wer­den. Wenn jedoch jede Form von Ärger oder Frus­tra­ti­on als “Trig­ger” bezeich­net wird, ver­liert der Begriff sei­ne Schär­fe und Ernst­haf­tig­keit.

Der Aus­druck “trig­gert dich das” wird oft ver­wen­det, um auf eine ver­meint­lich emo­tio­na­le Reak­ti­on hin­zu­wei­sen, die durch eine bestimm­te Bemer­kung oder Situa­ti­on aus­ge­löst wird. Dies kann manch­mal als Ver­such wahr­ge­nom­men wer­den, die Ver­ant­wor­tung für die Reak­ti­on auf die betrof­fe­ne Per­son zu schie­ben, was in Rich­tung Schuld­um­kehr gehen kann.

Wenn jemand häu­fig den Aus­druck “trig­gert dich das” ver­wen­det, um auf eine emo­tio­na­le Reak­ti­on hin­zu­wei­sen, kann das ver­schie­de­ne Din­ge über die­se Per­son aus­sa­gen:

  • Man­gel an Empa­thie: Die Per­son könn­te Schwie­rig­kei­ten haben, die Gefüh­le und Per­spek­ti­ven ande­rer zu ver­ste­hen und anzu­er­ken­nen. Statt sich in die Lage des Gegen­übers zu ver­set­zen, wird die emo­tio­na­le Reak­ti­on als über­trie­ben oder unan­ge­mes­sen dar­ge­stellt.
  • Ver­mei­dung von Ver­ant­wor­tung: Indem die Per­son die Reak­ti­on des Gegen­übers als “getrig­gert” abtut, ver­mei­det sie, sich mit der eige­nen Rol­le in der Situa­ti­on aus­ein­an­der­zu­set­zen. Dies kann ein Zei­chen dafür sein, dass sie kei­ne Ver­ant­wor­tung für ihre eige­nen Wor­te oder Hand­lun­gen über­neh­men möch­te.
  • Mani­pu­la­ti­on: In eini­gen Fäl­len kann dies eine Form von Mani­pu­la­ti­on sein, bei der die Per­son ver­sucht, die ande­re Per­son zu ver­un­si­chern oder zu kon­trol­lie­ren. Durch die Schuld­um­kehr wird die betrof­fe­ne Per­son dazu gebracht, ihre eige­nen Gefüh­le und Reak­tio­nen in Fra­ge zu stel­len.
  • Unbe­wuss­te Mus­ter: Es ist auch mög­lich, dass die Per­son sich die­ser Dyna­mik nicht bewusst ist und ein­fach unre­flek­tiert ein Ver­hal­ten wie­der­holt, das sie viel­leicht selbst erlebt hat.

Ins­ge­samt kann die Ver­wen­dung sol­cher Aus­drü­cke dar­auf hin­deu­ten, dass die Per­son Schwie­rig­kei­ten hat, kon­struk­tiv und respekt­voll zu kom­mu­ni­zie­ren.

Bei­spie­le für infla­tio­nä­re Benut­zung des Begriffs “Trig­gern”

Die infla­tio­nä­re Ver­wen­dung des Begriffs ‘Trig­gern’ in all­täg­li­chen Situa­tio­nen kann die ernst­haf­te Bedeu­tung des Wor­tes ver­wäs­sern. Hier sind eini­ge Bei­spie­le, wie der Begriff oft über­trie­ben ver­wen­det wird:

All­täg­li­che Unan­nehm­lich­kei­ten

  • Bei­spiel: Jemand sagt, er sei “getrig­gert”, weil sein Lieb­lings­ca­fé geschlos­sen hat.
  • Erklä­rung: Hier wird der Begriff für eine klei­ne Ent­täu­schung ver­wen­det, die kei­ne ernst­haf­te emo­tio­na­le Reak­ti­on aus­löst.

Leich­te Frus­tra­tio­nen

  • Bei­spiel: Eine Per­son behaup­tet, sie sei “getrig­gert”, weil sie im Stau steht.
  • Erklä­rung: Der Begriff wird für eine all­täg­li­che und vor­über­ge­hen­de Frus­tra­ti­on ver­wen­det, die kei­ne tief­grei­fen­den emo­tio­na­len Aus­wir­kun­gen hat.

Unan­ge­neh­me Mei­nun­gen

  • Bei­spiel: Jemand fühlt sich “getrig­gert”, weil er eine Mei­nung hört, die er nicht teilt.
  • Erklä­rung: Hier wird “trig­gern” ver­wen­det, um eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit zu beschrei­ben, die kei­ne ernst­haf­te emo­tio­na­le Reak­ti­on her­vor­ruft.

Caor­lin Kebe­kus hat hier ein pas­sen­des Video im Reper­toire:

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Mehr Infor­ma­tio­nen

Ech­te Trig­ger und deren Fol­gen

Trig­ger und Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung (PTBS) sind eng mit­ein­an­der ver­knüpft. Trig­ger sind spe­zi­fi­sche Rei­ze oder Sti­mu­li, die inten­si­ve Erin­ne­run­gen und emo­tio­na­le Reak­tio­nen her­vor­ru­fen kön­nen, die mit dem ursprüng­li­chen trau­ma­ti­schen Ereig­nis ver­bun­den sind. Die­se äuße­ren Rei­ze spie­geln Aspek­te des trau­ma­ti­schen Erleb­nis­ses wider und kön­nen bewusst oder unbe­wusst Erin­ne­run­gen an das Trau­ma her­vor­ru­fen. Dies führt dazu, dass Betrof­fe­ne das trau­ma­ti­sche Ereig­nis erneut durch­le­ben, was inten­si­ve emo­tio­na­le und kör­per­li­che Reak­tio­nen aus­lö­sen kann, die oft unver­hält­nis­mä­ßig stark im Ver­gleich zur aktu­el­len Situa­ti­on sind.

Trig­ger-Arten

Trig­ger kön­nen in vie­len For­men auf­tre­ten und ver­schie­de­ne Sin­ne anspre­chen. Hier sind eini­ge Bei­spie­le für unter­schied­li­che Arten von Trig­gern:

  • Geräu­sche: Ein Kriegs­ve­te­ran könn­te durch lau­te Knall­ge­räu­sche oder Feu­er­werks­kör­per getrig­gert wer­den, da die­se Geräu­sche an Schüs­se und Explo­sio­nen im Krieg erin­nern.
  • Gerü­che: Ein Über­le­ben­der häus­li­cher Gewalt könn­te durch den Geruch von Alko­hol getrig­gert wer­den, wenn der Täter oft betrun­ken war.
  • Orte: Eine Per­son, die einen schwe­ren Auto­un­fall über­lebt hat, könn­te durch das Betre­ten des Unfall­or­tes getrig­gert wer­den.
  • Gefüh­le: Gefüh­le wie Angst oder Ohn­macht kön­nen eben­falls Trig­ger sein, wenn sie an die Emo­tio­nen wäh­rend des trau­ma­ti­schen Ereig­nis­ses erin­nern.

Bei­spie­le für ernst­haf­te Trig­ger

Im Gegen­satz zur infla­tio­nä­ren Ver­wen­dung des Begriffs ‘Trig­gern’ gibt es Situa­tio­nen, in denen ech­te, tief­grei­fen­de emo­tio­na­le Reak­tio­nen aus­ge­löst wer­den. Hier sind eini­ge Bei­spie­le für ernst­haf­te Trig­ger:

Über­le­ben­de von Gewalt

  • Bei­spiel: Eine Über­le­ben­de häus­li­cher Gewalt wird durch lau­te Schreie oder aggres­si­ve Ges­ten getrig­gert.
  • Erklä­rung: Die­se Aus­lö­ser erin­nern sie an die trau­ma­ti­schen Erleb­nis­se und kön­nen star­ke emo­tio­na­le und kör­per­li­che Reak­tio­nen her­vor­ru­fen.

Kriegs­ve­te­ra­nen

  • Bei­spiel: Ein Kriegs­ve­te­ran wird durch Feu­er­werks­kör­per oder lau­te Knall­ge­räu­sche getrig­gert.
  • Erklä­rung: Die­se Geräu­sche kön­nen Flash­backs und inten­si­ve Angst­zu­stän­de aus­lö­sen, die mit den Kriegs­er­fah­run­gen ver­bun­den sind.

Nicht gese­hen wer­den

  • Bei­spiel: Ein Kind, das in einer emo­tio­nal ver­nach­läs­si­gen­den Umge­bung auf­wächst, in der sei­ne Bedürf­nis­se und Gefüh­le igno­riert oder abge­wer­tet wer­den, kann ein tie­fes Gefühl der Unsi­cher­heit und des man­geln­den Selbst­werts ent­wi­ckeln.
  • Erklä­rung: Sol­che Kin­der kön­nen im Erwach­se­nen­al­ter Schwie­rig­kei­ten haben, gesun­de Bezie­hun­gen auf­zu­bau­en, und kön­nen durch Situa­tio­nen getrig­gert wer­den, in denen sie sich über­se­hen oder unwich­tig füh­len. Dies kann zu inten­si­ven emo­tio­na­len Reak­tio­nen füh­ren, die auf die früh­kind­li­chen Erfah­run­gen zurück­ge­hen.

Sexu­el­ler Miss­brauch

  • Bei­spiel: Ein Kind, das sexu­el­len Miss­brauch erlebt hat, kann durch bestimm­te Berüh­run­gen, Gerü­che oder Situa­tio­nen getrig­gert wer­den, die Erin­ne­run­gen an das Trau­ma her­vor­ru­fen.
  • Erklä­rung: Die­se Aus­lö­ser kön­nen inten­si­ve Flash­backs, Angst­zu­stän­de und Panik­at­ta­cken aus­lö­sen. Die betrof­fe­ne Per­son könn­te Schwie­rig­kei­ten haben, Ver­trau­en zu ande­ren auf­zu­bau­en und sich in bestimm­ten sozia­len Situa­tio­nen sicher zu füh­len.

Fol­gen und Aus­wir­kun­gen für die Gesell­schaft

Die infla­tio­nä­re Nut­zung des Begriffs “trig­gern” hat meh­re­re nega­ti­ve Effek­te auf unse­re Gesell­schaft:

Stig­ma­ti­sie­rung und Miss­ver­ständ­nis­se

Wenn der Begriff “trig­gern” leicht­fer­tig ver­wen­det wird, wer­den Men­schen, die tat­säch­lich unter Trig­gern lei­den, oft nicht ernst genom­men. Ihre Erfah­run­gen und Bedürf­nis­se könn­ten tri­via­li­siert wer­den, was zu einer wei­te­ren Stig­ma­ti­sie­rung führt. Zudem kann die brei­te Anwen­dung des Begriffs zu Miss­ver­ständ­nis­sen füh­ren, da nicht jeder den­sel­ben emo­tio­na­len oder psy­cho­lo­gi­schen Kon­text ver­steht. Dies kann dazu füh­ren, dass die ernst­haf­ten Pro­ble­me der Betrof­fe­nen nicht ange­mes­sen erkannt und behan­delt wer­den.

För­de­rung von Über­emp­find­lich­keit

Eine häu­fi­ge und leicht­fer­ti­ge Ver­wen­dung des Begriffs kann eine Kul­tur der Über­emp­find­lich­keit för­dern. Men­schen könn­ten sich schnel­ler belei­digt oder ange­grif­fen füh­len, was die zwi­schen­mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on und das sozia­le Mit­ein­an­der erschwert. Dies kann dazu füh­ren, dass Dis­kus­sio­nen und Debat­ten weni­ger kon­struk­tiv ver­lau­fen, da die Betei­lig­ten sich eher auf ihre per­sön­li­chen Emp­fin­dun­gen als auf sach­li­che Argu­men­te kon­zen­trie­ren.

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me

Wenn der Begriff “trig­gern” zu oft und in unpas­sen­den Kon­tex­ten ver­wen­det wird, kann dies die Klar­heit und Effek­ti­vi­tät der Kom­mu­ni­ka­ti­on beein­träch­ti­gen. Es wird schwie­ri­ger, ernst­haf­te von weni­ger ernst­haf­ten emo­tio­na­len Reak­tio­nen zu unter­schei­den, was zu Ver­wir­rung und Miss­ver­ständ­nis­sen füh­ren kann. Dies kann ins­be­son­de­re in pro­fes­sio­nel­len oder the­ra­peu­ti­schen Kon­tex­ten pro­ble­ma­tisch sein, wo eine prä­zi­se Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­schei­dend ist.

Aus­wir­kun­gen auf Men­schen mit ech­tem Trau­ma

Für Men­schen mit ech­tem Trau­ma kann die infla­tio­nä­re Benut­zung des Begriffs beson­ders schmerz­haft sein. Ihre inten­si­ven und oft schmerz­haf­ten Erin­ne­run­gen wer­den durch Trig­ger aus­ge­löst, und wenn die­ser Begriff leicht­fer­tig benutzt wird, kann das ihre Erfah­run­gen tri­via­li­sie­ren. Sie könn­ten sich iso­liert und miss­ver­stan­den füh­len, was ihre Bereit­schaft, über ihre Pro­ble­me zu spre­chen oder Hil­fe zu suchen, ver­rin­gern kann. Dies kann ihre Hei­lung und ihr Wohl­be­fin­den erheb­lich beein­träch­ti­gen.

Gesell­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen

Eine Gesell­schaft, die psy­chi­sche Gesund­heit nicht ernst nimmt, ris­kiert, dass Betrof­fe­ne nicht die not­wen­di­ge Hil­fe und Unter­stüt­zung erhal­ten. Die infla­tio­nä­re Nut­zung von Begrif­fen wie “trig­gern” kann dazu füh­ren, dass ernst­haf­te psy­chi­sche Gesund­heits­pro­ble­me weni­ger ernst genom­men wer­den, was die Bereit­schaft zur Unter­stüt­zung und Finan­zie­rung von psy­chi­schen Gesund­heits­diens­ten beein­träch­ti­gen könn­te. Lang­fris­tig kann das zu einer Ver­schlech­te­rung der all­ge­mei­nen psy­chi­schen Gesund­heit in der Gesell­schaft füh­ren.

Fazit

Die infla­tio­nä­re Benut­zung des Begriffs “trig­gern” hat weit­rei­chen­de Fol­gen, die von der Ver­wäs­se­rung der Bedeu­tung bis hin zu ernst­haf­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­men rei­chen. Es ist wich­tig, den Begriff mit Bedacht zu ver­wen­den, um die Erfah­run­gen und Bedürf­nis­se von Men­schen mit ech­tem Trau­ma zu respek­tie­ren. Jeder Ein­zel­ne trägt die Ver­ant­wor­tung, Begrif­fe wie “trig­gern” bewusst und respekt­voll zu nut­zen. Durch Sen­si­bi­li­sie­rung, Bil­dung und per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung kön­nen wir eine respekt­vol­le­re und unter­stüt­zen­de­re Gesell­schaft schaf­fen. Indem wir uns der Aus­wir­kun­gen unse­rer Spra­che bewusst wer­den und uns bemü­hen, empa­thisch und respekt­voll zu kom­mu­ni­zie­ren, kön­nen wir dazu bei­tra­gen, das Lei­den der Betrof­fe­nen zu ver­rin­gern und eine unter­stüt­zen­de Umge­bung zu schaf­fen.

Und falls sich jemand durch die­sen Arti­kel getrig­gert fühlt, könn­te es hilf­reich sein, ihn noch ein­mal in Ruhe zu lesen und dar­über nach­zu­den­ken, wie wir alle zu einer respekt­vol­le­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on bei­tra­gen kön­nen.

Wake­field-Stu­die: Die weit­rei­chen­den und lang­fris­ti­gen Fol­gen

Wake­field-Stu­die: Die weit­rei­chen­den und lang­fris­ti­gen Fol­gen

Die Dis­kus­si­on über die Sicher­heit von Imp­fun­gen hat eine lan­ge Geschich­te, die von zahl­rei­chen wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en und öffent­li­chen Debat­ten geprägt ist. Eine der kon­tro­ver­ses­ten Stu­di­en die­ser Debat­te wur­de 1998 von Andrew Wake­field (Wake­field-Stu­die) ver­öf­fent­licht und behaup­te­te, dass die MMR-Imp­fung (Mumps-Masern-Röteln) Autis­mus ver­ur­sa­chen könn­te.

Die­se Behaup­tung hat­te weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf die öffent­li­che Wahr­neh­mung von Imp­fun­gen und die Gesund­heits­po­li­tik in vie­len Län­dern. In die­sem Arti­kel wer­den die Hin­ter­grün­de der Wake­field-Stu­die, die finan­zi­el­len Inter­es­sen des Autors, die Haupt­fol­gen der Ver­öf­fent­li­chung und die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen auf die öffent­li­che Gesund­heit unter­sucht.

Die Wake­field-Stu­die

1998 ver­öf­fent­lich­te Andrew Wake­field eine Stu­die, in der er behaup­te­te, dass die MMR-Imp­fung (Mumps-Masern-Röteln) Autis­mus ver­ur­sa­chen könn­te. Die Stu­die unter­such­te zwölf Kin­der, bei denen nach der Imp­fung Sym­pto­me von Ver­hal­tens­stö­run­gen auf­tra­ten. Auf­grund die­ser Beob­ach­tun­gen zog Wake­field den Schluss, dass ein Zusam­men­hang zwi­schen der Imp­fung und Autis­mus bestehen könn­te.

Die­se Behaup­tung lös­te welt­weit gro­ßes Auf­se­hen aus und sorg­te dafür, dass vie­le Eltern ihre Kin­der nicht mehr imp­fen lie­ßen. Die Medi­en grif­fen das The­ma auf und ver­brei­te­ten die Ergeb­nis­se der Stu­die, was zu einer brei­ten öffent­li­chen Dis­kus­si­on über die Sicher­heit von Imp­fun­gen führ­te.

Finan­zi­el­le Inter­es­sen im Vor­der­grund

Spä­ter stell­te sich her­aus, dass Wake­field finan­zi­el­le Inter­es­sen hat­te, die sei­ne Stu­die beein­fluss­ten. Er erhielt Gel­der von einer Anwalts­kanz­lei, die Eltern autis­ti­scher Kin­der ver­trat, die gegen die Her­stel­ler des Impf­stoffs kla­gen woll­ten.

Die­ser Inter­es­sen­kon­flikt stell­te einen erheb­li­chen ethi­schen Ver­stoß dar, der sei­ne For­schungs­er­geb­nis­se in Fra­ge stell­te. Zudem wur­de bekannt, dass Wake­field auch ein Patent für einen alter­na­ti­ven Masern­impf­stoff ange­mel­det hat­te, was sei­ne Moti­va­ti­on wei­ter in einem frag­wür­di­gen Licht erschei­nen ließ. Die­se Ent­hül­lun­gen führ­ten letzt­lich dazu, dass Wake­field sei­ne medi­zi­ni­sche Zulas­sung und sei­ne Anstel­lung ver­lor.

Haupt­fol­gen der Wake­field-Stu­die

Die Haupt­fol­gen der Wake­field-Stu­die waren viel­fäl­tig und gra­vie­rend und wir­ken bis heu­te nach:

Rück­gang der Impf­quo­ten

In eini­gen Län­dern, ins­be­son­de­re in Groß­bri­tan­ni­en 🔗, san­ken die Impf­quo­ten erheb­lich. Dies führ­te zu Aus­brü­chen von ver­meid­ba­ren Krank­hei­ten wie Masern, die in den Jah­ren zuvor nahe­zu aus­ge­rot­tet wor­den waren.

Ver­brei­tung von Impf­geg­ner­schaft

Die Stu­die spiel­te eine zen­tra­le Rol­le bei der Ver­brei­tung der Bewe­gung der Impf­geg­ner, die bis heu­te stark bleibt. Vie­le Eltern wur­den ver­un­si­chert und lehn­ten Imp­fun­gen ab, trotz gegen­tei­li­ger wis­sen­schaft­li­cher Bewei­se. Die­se wis­sen­schaft­li­chen Bewei­se stel­len eine Wahr­heit dar, da sie auf fun­dier­ten und über­prüf­ba­ren Daten basie­ren. Eini­ge Müt­ter sind sehr besorgt über die Risi­ken der Imp­fung und ent­schei­den sich des­we­gen, ihre Kin­der nicht imp­fen zu las­sen. Die­se Besorg­nis­se kön­nen jedoch durch fal­sche Infor­ma­tio­nen oder per­sön­li­che Über­zeu­gun­gen beein­flusst wer­den, die eher als Mei­nung 🔗 anzu­se­hen sind.

Öffent­li­che Gesund­heit

Durch den Rück­gang der Imp­fun­gen kam es zu einem Anstieg der Krank­heits­fäl­le, was erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die öffent­li­che Gesund­heit hat­te. Krank­hei­ten, die durch Imp­fun­gen ver­hin­dert wer­den kön­nen, brei­te­ten sich wie­der aus und führ­ten zu schwer­wie­gen­den gesund­heit­li­chen Kom­pli­ka­tio­nen und Todes­fäl­len.

Ver­trau­ens­ver­lust in die Wis­sen­schaft

Die Kon­tro­ver­se um Wake­fields Stu­die führ­te zu einem erheb­li­chen Ver­trau­ens­ver­lust in die wis­sen­schaft­li­che For­schung und medi­zi­ni­sche Emp­feh­lun­gen. Die­ser Ver­trau­ens­ver­lust erschwer­te es den Gesund­heits­be­hör­den, die Öffent­lich­keit über die Bedeu­tung von Imp­fun­gen auf­zu­klä­ren und für den Schutz der öffent­li­chen Gesund­heit zu wer­ben.

Fazit

Zusam­men­fas­send lässt sich sagen, dass die Wake­field-Stu­die weit­rei­chen­de und lang­fris­ti­ge Fol­gen hat­te.

Obwohl die Stu­die wis­sen­schaft­lich wider­legt wur­de, blei­ben die Aus­wir­kun­gen auf das öffent­li­che Gesund­heits­be­wusst­sein und die Impf­be­reit­schaft bis heu­te spür­bar. Der Fall Wake­field unter­streicht die Bedeu­tung ethi­scher Stan­dards und wis­sen­schaft­li­cher Inte­gri­tät in der For­schung. Er zeigt, wie ver­hee­rend die Ver­brei­tung fal­scher wis­sen­schaft­li­cher Infor­ma­tio­nen sein kann und wie wich­tig es ist, sorg­fäl­tig und trans­pa­rent zu for­schen und zu berich­ten.

Die lang­fris­ti­gen Fol­gen die­ses Skan­dals sind ein mah­nen­des Bei­spiel dafür, wie wich­tig es ist, das Ver­trau­en in die Wis­sen­schaft zu wah­ren und die öffent­li­che Gesund­heit zu schüt­zen. Nicht umsonst wird Wake­field als der Vater aller Impf­geg­ner beti­telt, was gesell­schaft­lich eine Tra­gö­die ist.

Link­samm­lung – Quel­len – Must-Reads

Zurück­ge­zo­ge­ne bzw, abge­wie­se­ne Stu­die von Dr. AJ Wake­field

Die Wake­field-Stu­die wird u.a. von Mai­Think X in der fol­gen­den Fol­ge behan­delt — gene­rell sehens­wert auch zum The­ma Coro­na-Imp­fung:

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Wei­te­re Infor­ma­tio­nen
Wahr­heit vs. Mei­nung — und in wel­chem Kon­text Kri­tik­fä­hig­keit dazu steht

Wahr­heit vs. Mei­nung — und in wel­chem Kon­text Kri­tik­fä­hig­keit dazu steht

In einer Welt, in der Infor­ma­tio­nen und Mei­nun­gen sich schnel­ler ver­brei­ten als je zuvor, ste­hen wir vor der Her­aus­for­de­rung, Wahr­heit von Fik­ti­on zu unter­schei­den und unse­re eige­ne Kri­tik­fä­hig­keit zu schär­fen. Gleich­zei­tig navi­gie­ren wir durch das kom­ple­xe Geflecht sozia­ler Nor­men, die manch­mal das freie Spre­chen über bestimm­te The­men ein­schrän­ken. Es ist ein Tanz auf dem Draht­seil zwi­schen dem Aus­druck unse­rer Mei­nun­gen und der Ach­tung der Gren­zen ande­rer, der uns vor die Fra­ge stellt: Wie frei ist unse­re Rede wirk­lich?

Der Unter­schied zwi­schen Wahr­heit und Mei­nung

… ist grund­le­gend in der Art, wie wir Wis­sen und Über­zeu­gun­gen ver­ste­hen:

Wahr­heit bezieht sich auf Aus­sa­gen, die objek­tiv über­prüf­bar und unab­hän­gig von per­sön­li­chen Gefüh­len oder Ansich­ten sind. Sie basiert auf Fak­ten und Bewei­sen, die durch Beob­ach­tung, Expe­ri­men­te oder logi­sche Schluss­fol­ge­run­gen bestä­tigt wer­den kön­nen.

Die Erde umkreist die Son­ne. Dies ist eine objek­ti­ve Tat­sa­che, die durch astro­no­mi­sche Beob­ach­tun­gen bestä­tigt wird.
E=mc^2 ist die For­mel der Rela­ti­vi­täts­theo­rie von Ein­stein, die besagt, dass Ener­gie (E) gleich Mas­se (m) mal der Licht­ge­schwin­dig­keit im Qua­drat (c^2) ist. Dies ist eine wis­sen­schaft­lich bewie­se­ne Wahr­heit.

Mei­nung hin­ge­gen ist eine per­sön­li­che Ansicht oder Über­zeu­gung, die nicht unbe­dingt auf Fak­ten oder Bewei­sen beru­hen muss. Mei­nun­gen sind sub­jek­tiv und kön­nen von den Erfah­run­gen, Wer­ten und dem Wis­sen des Ein­zel­nen beein­flusst wer­den. Zum Bei­spiel ist die Aus­sa­ge “Scho­ko­la­den­eis ist das bes­te Eis” eine Mei­nung, da sie auf per­sön­li­chen Vor­lie­ben basiert.

“Van Gogh war der bes­te Maler aller Zei­ten.” Dies ist eine Mei­nung, die auf per­sön­li­chen ästhe­ti­schen Bewer­tun­gen der Kunst basiert.
“Fuß­ball ist der unter­halt­sams­te Sport.” Auch dies ist eine Mei­nung, die von per­sön­li­chen Vor­lie­ben und Inter­es­sen abhängt.

Es ist wich­tig, die­se bei­den Kon­zep­te zu unter­schei­den, da sie unse­re Dis­kus­sio­nen und unser Ver­ständ­nis der Welt beein­flus­sen. Wäh­rend Mei­nun­gen viel­fäl­tig und unter­schied­lich sein kön­nen, sind Wahr­hei­ten kon­stant und müs­sen von allen aner­kannt wer­den, die den glei­chen Beweis­stand haben. Respekt­vol­le Kom­mu­ni­ka­ti­on und kri­ti­sche Denk­fä­hig­keit sind ent­schei­dend, um kon­struk­ti­ve Gesprä­che zu füh­ren, die sowohl Mei­nun­gen als auch Wahr­hei­ten berück­sich­ti­gen.

Man darf die Mehr­heit nicht mit der Wahr­heit ver­wech­seln …

„Man darf die Mehr­heit nicht mit der Wahr­heit ver­wech­seln.“
―Jean Coc­teau

Die Mehr­heit bezieht sich auf die größ­te Anzahl oder den größ­ten Teil einer Grup­pe. Die Wahr­heit hin­ge­gen ist ein Zustand oder eine Eigen­schaft, kor­rekt, real oder genau zu sein.

Es ist wich­tig zu ver­ste­hen, dass nur weil eine Mehr­heit eine bestimm­te Ansicht hat, dies nicht unbe­dingt bedeu­tet, dass die­se Ansicht wahr oder kor­rekt ist. Dies ist ein logi­scher Fehl­schluss, der als “Argu­men­tum ad popu­lum” oder “Beru­fung auf die Men­ge” bekannt ist.

Zum Bei­spiel, wenn die Mehr­heit der Men­schen glaubt, dass die Erde flach ist, macht das die Erde nicht flach. Die Wahr­heit ist, dass die Erde rund ist, und das bleibt wahr, unab­hän­gig davon, was die Mehr­heit glaubt.

Daher soll­te man die Mehr­heit nicht mit der Wahr­heit ver­wech­seln.

Jean Cocteau’s Aus­spruch, dass “man nicht die Mehr­heit mit der Wahr­heit ver­wech­seln darf”, hebt her­vor, dass die Popu­la­ri­tät einer Ansicht nicht zwangs­läu­fig ihre Rich­tig­keit bestä­tigt. Es unter­streicht die Not­wen­dig­keit, kri­tisch zu den­ken und nicht ein­fach das zu akzep­tie­ren, was die meis­ten Men­schen glau­ben.

Kri­tik­fä­hig­keit …

… steht im Kon­text der Unter­schei­dung zwi­schen Wahr­heit und Mei­nung inso­fern, als sie eine wich­ti­ge Fähig­keit ist, um kon­struk­ti­ve Kri­tik zu üben und zu emp­fan­gen. Kri­tik­fä­hig­keit beinhal­tet:

  • Ana­ly­ti­sches Den­ken: Die Fähig­keit, Argu­men­te und Behaup­tun­gen kri­tisch zu ana­ly­sie­ren, um zu bestim­men, ob sie auf Wahr­hei­ten oder Mei­nun­gen basie­ren.
  • Offen­heit: Bereit­schaft, eige­ne Ansich­ten zu hin­ter­fra­gen und neue Infor­ma­tio­nen oder Per­spek­ti­ven zu berück­sich­ti­gen, die die eige­ne Mei­nung beein­flus­sen könn­ten.
  • Kom­mu­ni­ka­ti­on: Die Fähig­keit, Feed­back auf eine Wei­se zu geben und zu emp­fan­gen, die respekt­voll und kon­struk­tiv ist, ohne per­sön­lich zu wer­den oder sich ange­grif­fen zu füh­len.
  • Selbst­re­fle­xi­on: Die Bereit­schaft, die eige­nen Über­zeu­gun­gen zu reflek­tie­ren und zu erken­nen, wann sie auf per­sön­li­chen Mei­nun­gen und nicht auf objek­ti­ven Wahr­hei­ten beru­hen.

In Dis­kus­sio­nen und Debat­ten ist Kri­tik­fä­hig­keit ent­schei­dend, um ein tie­fe­res Ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln und zu einer fun­dier­ten Mei­nung zu gelan­gen. Sie hilft uns, zwi­schen sub­jek­ti­ven Ansich­ten und objek­ti­ven Fak­ten zu unter­schei­den und för­dert eine Kul­tur des Ler­nens und des gegen­sei­ti­gen Respekts.

In unse­rer heu­ti­gen Gesell­schaft ent­fer­nen sich vie­le Men­schen von Kri­ti­kern, obwohl es wert­voll ist, ver­schie­de­ne Sicht­wei­sen zu hören. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig:

  • Selbst­schutz: Kri­tik kann emo­tio­nal belas­tend sein. Man­che Men­schen zie­hen es vor, sich vor nega­ti­ven Gefüh­len zu schüt­zen, indem sie sich von Kri­ti­kern distan­zie­ren. Die­se Schutz­me­cha­nis­men hel­fen ihnen, ihre emo­tio­na­le Sta­bi­li­tät zu bewah­ren.
  • Selbst­wert­ge­fühl: Wie­der­hol­te Kri­tik kann das Selbst­wert­ge­fühl beein­träch­ti­gen. Um ihr Selbst­be­wusst­sein zu bewah­ren, mei­den man­che Men­schen kri­ti­sche Stim­men. Sie möch­ten sich nicht stän­dig in Fra­ge gestellt füh­len und suchen daher nach Umge­bun­gen, in denen sie sich sicher und bestä­tigt füh­len.
  • Kon­flikt­ver­mei­dung: Kri­tik kann zu Kon­flik­ten füh­ren. Um Span­nun­gen und Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu ver­mei­den, zie­hen es man­che vor, sich in einer har­mo­ni­sche­ren Umge­bung auf­zu­hal­ten. Dies kann beson­ders in beruf­li­chen oder fami­liä­ren Kon­tex­ten wich­tig sein, wo ein fried­li­ches Mit­ein­an­der ange­strebt wird.
  • Bestä­ti­gung: Men­schen suchen oft nach Bestä­ti­gung und Unter­stüt­zung. In einer Umge­bung von Ja-Sagern füh­len sie sich siche­rer und bestärk­ter. Die­se Bestä­ti­gung kann ihnen das Gefühl geben, auf dem rich­ti­gen Weg zu sein, und ihnen hel­fen, ihre Zie­le zu ver­fol­gen.

Den­noch ist es wich­tig, ein aus­ge­wo­ge­nes Umfeld zu haben, das sowohl Unter­stüt­zung als auch kon­struk­ti­ve Kri­tik bie­tet. Kri­tik kann hel­fen, blin­de Fle­cken zu erken­nen und sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Ein Umfeld, das ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven zulässt, för­dert nicht nur per­sön­li­ches Wachs­tum, son­dern auch Inno­va­ti­on und Krea­ti­vi­tät. Es ist daher rat­sam, sich nicht voll­stän­dig von Kri­ti­kern abzu­schot­ten, son­dern ihre Rück­mel­dun­gen als wert­vol­le Lern­mög­lich­kei­ten zu betrach­ten.

Ein nega­ti­ves Bei­spiel für die Abschot­tung von Kri­ti­kern fin­det sich oft im Bereich des Net­work Mar­ke­tings. Ver­triebs­part­ner gren­zen sich hier häu­fig von Kri­ti­kern ab und umge­ben sich nur mit Gleich­ge­sinn­ten. Die­se Iso­la­ti­on kann dazu füh­ren, dass sie sich in einer Bla­se bewe­gen, in der nur posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen und Bestä­ti­gun­gen exis­tie­ren. Dies kann gefähr­lich sein, da kri­ti­sche Stim­men, die auf mög­li­che Pro­ble­me oder ethi­sche Beden­ken hin­wei­sen, igno­riert wer­den. Ohne die­se kri­ti­schen Per­spek­ti­ven besteht die Gefahr, dass Ver­triebs­part­ner unrea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen ent­wi­ckeln und poten­zi­ell schäd­li­che Geschäfts­prak­ti­ken fort­set­zen.

Kon­struk­ti­ve Gesprä­che — ein Traum?

Es kann her­aus­for­dernd sein, kon­struk­ti­ve Gesprä­che zu füh­ren, weil Men­schen oft emo­tio­nal auf The­men reagie­ren, die ihnen wich­tig sind. Wenn jemand mit Infor­ma­tio­nen kon­fron­tiert wird, die sei­nen Über­zeu­gun­gen wider­spre­chen, kann das zu einer Abwehr­hal­tung füh­ren. Die­ses Phä­no­men wird als kogni­ti­ve Dis­so­nanz bezeich­net.

Ein Bei­spiel anhand Net­work-Mar­ke­ting:

Stell dir vor, jemand tritt einem Net­work-Mar­ke­ting-Unter­neh­men bei, weil er glaubt, dass es eine groß­ar­ti­ge Mög­lich­keit ist, finan­zi­el­len Erfolg zu erzie­len und ein eige­nes Geschäft auf­zu­bau­en. Gleich­zei­tig hört die­se Per­son immer wie­der nega­ti­ve Berich­te und Kri­ti­ken über Net­work-Mar­ke­ting 🔗, wie z.B. dass vie­le Men­schen dabei Geld ver­lie­ren oder dass es sich um ein frag­wür­di­ges Geschäfts­mo­dell han­delt.

Die kogni­ti­ve Dis­so­nanz ent­steht hier durch den Kon­flikt zwi­schen dem Glau­ben an den Erfolg des Net­work Mar­ke­tings und den nega­ti­ven Infor­ma­tio­nen, die die Per­son erhält. Um die­se Dis­so­nanz zu redu­zie­ren, könn­te die Per­son ver­schie­de­ne Stra­te­gien anwen­den, wie zum Bei­spiel:

  • Ver­hal­ten ändern: Das Net­work Mar­ke­ting auf­ge­ben und sich nach ande­ren Geschäfts­mo­del­len umse­hen.
  • Kogni­ti­on ändern: Die nega­ti­ven Berich­te als Aus­nah­men oder als Miss­ver­ständ­nis­se abtun und sich auf die posi­ti­ven Erfolgs­ge­schich­ten kon­zen­trie­ren.
  • Neue Kogni­tio­nen hin­zu­fü­gen: Argu­men­te fin­den, die das Enga­ge­ment im Net­work Mar­ke­ting recht­fer­ti­gen, wie z.B. “Ich habe ein star­kes Netz­werk und wer­de erfolg­rei­cher sein als ande­re.”

Die Dyna­mik zwi­schen Men­schen, wie Macht­ver­hält­nis­se und per­sön­li­che Bezie­hun­gen, kann eben­falls die Fähig­keit zu einem offe­nen Dia­log beein­flus­sen. Außer­dem erfor­dern kon­struk­ti­ve Gesprä­che gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten, wie akti­ves Zuhö­ren und die Fähig­keit, die eige­ne Mei­nung respekt­voll zu äußern.

Kon­struk­ti­ve Gesprä­che sind nicht nur ein schö­ner Traum, sie sind durch­aus mach­bar. Es braucht nur ein biss­chen Anstren­gung von allen Sei­ten. Hier sind ein paar Tipps, wie’s klap­pen kann:

  • Akti­ves Zuhö­ren: Hör wirk­lich zu, was die ande­re Per­son zu sagen hat, und ver­such, es zu ver­ste­hen, statt nur auf dei­ne Chan­ce zu war­ten, etwas zu erwi­dern.
  • Empa­thie: Ver­set­ze dich in die Lage des ande­ren. Wie wür­de es dir gehen, wenn du in sei­nen Schu­hen ste­cken wür­dest?
  • Offen­heit: Sei offen für Neu­es. Manch­mal haben die ande­ren auch gute Ideen, die man selbst noch nicht bedacht hat.
  • Respekt: Auch wenn du ande­rer Mei­nung bist, behand­le die Ansich­ten ande­rer immer mit Respekt.
    Geduld: Gute Gesprä­che brau­chen Zeit, beson­ders wenn’s um kniff­li­ge The­men geht.

Mit die­sen klei­nen Knif­fen kann man eine Atmo­sphä­re schaf­fen, in der jeder ger­ne sei­ne Gedan­ken teilt und man gemein­sam zu neu­en Ein­sich­ten kom­men kann. Es geht nicht dar­um, wer am Ende recht hat, son­dern dar­um, dass man zusam­men wei­ter­kommt.

Fazit

Die Bedeu­tung von Wis­sen und kri­ti­schem Den­ken kann nicht hoch genug ein­ge­schätzt wer­den. In einer Welt, die von einer Flut an Infor­ma­tio­nen geprägt ist, ist es uner­läss­lich, die­se Infor­ma­tio­nen mutig zu hin­ter­fra­gen, um die Wahr­heit zu fin­den und sich nicht von fal­schen oder irre­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen täu­schen zu las­sen. Kri­ti­sches Den­ken ermög­licht es uns, die Qua­li­tät und Glaub­wür­dig­keit von Infor­ma­tio­nen zu bewer­ten und fun­dier­te Urtei­le zu fäl­len.

Gleich­zei­tig ist es wich­tig, sich nicht in einer eige­nen “Bubble” zu iso­lie­ren und sich von Kri­ti­kern zu ent­fer­nen. Eine sol­che Iso­la­ti­on kann zu einer ver­zerr­ten Wahr­neh­mung der Rea­li­tät füh­ren, da man nur noch Infor­ma­tio­nen kon­su­miert, die die eige­ne Mei­nung bestä­ti­gen. Dies ver­stärkt bestehen­de Über­zeu­gun­gen und ver­hin­dert, dass man neue Per­spek­ti­ven und Erkennt­nis­se gewinnt.

Offen­heit für ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven und die akti­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit unter­schied­li­chen Mei­nun­gen sind ent­schei­dend, um ein aus­ge­wo­ge­nes und fun­dier­tes Ver­ständ­nis zu erlan­gen. Indem wir uns mit abwei­chen­den Mei­nun­gen aus­ein­an­der­set­zen, kön­nen wir unse­re eige­nen Ansich­ten hin­ter­fra­gen und gege­be­nen­falls anpas­sen. Dies för­dert nicht nur per­sön­li­ches Wachs­tum, son­dern trägt auch zu einer gesün­de­ren und dyna­mi­sche­ren Gesell­schaft bei.

Nur durch die Bereit­schaft, die Kom­ple­xi­tät der Welt anzu­er­ken­nen und ver­schie­de­ne Stand­punk­te zu berück­sich­ti­gen, kön­nen wir fun­dier­te Ent­schei­dun­gen tref­fen, die auf einem umfas­sen­den Ver­ständ­nis basie­ren. Dies ist beson­ders wich­tig in einer Zeit, in der Pola­ri­sie­rung und Des­in­for­ma­ti­on weit ver­brei­tet sind. Ein kri­ti­scher und offe­ner Geist ist der Schlüs­sel, um den Her­aus­for­de­run­gen der moder­nen Welt gerecht zu wer­den und posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen zu bewir­ken.